Zum Tode von Alfred "Al" Oerter
Der beste Diskuswerfer aller Zeiten verstarb im Alter von 71 Jahren.
Alfred L. Oerter, Sohn eines deutschen Vaters und einer tschechischen Mutter, galt und gilt als der nervenstärkste und beste Diskuswerfer der Welt in schweren Wettkämpfen. Oerter war mit 1,92 m und 117 Kg wie viele Werfer ein Koloss, aber die Gunst der Natur war ihm freundlicher gesinnt. Er hatte eine vollendete Koordination der Muskeln, und so ist es erklärlich, wenn ehemalige Konkurrenten wie der Ex-Weltrekordler Jay Silvester behaupten: „Es ist am schwersten, diesen Athleten zu besiegen.“
In der Schule war Al viel zu faul zum Laufen, so wurde er Werfer.

Sozusagen als Neuling holte er sich 1956 in Melbourne den Olympiasieg mit 56,36 m und wiederholte vier Jahre später den Triumph in Rom mit 59,18 m.
Seine großen Jahre waren dann 1962 (Weltrekorde von 61,10 m und 62,45 m) und 1963 (Weltrekord 62,62 m). Er startete relativ wenig, aber wenn, dann mit „Musik“ hinter seinen Würfen. Eine schwere Rückenverletzung stoppte seine Karriere im Sommer 1963. Wenn er nur einigermaßen gesund werden würde, dann hieße der Olympiasieger 1964 in Tokio wieder Oerter.
Al Oerter war nicht der Favorit für Tokio, doch er holte zu seinem dritten Streich aus. Dabei sah es für ihn zunächst nicht gut aus. Seit Juni hatte er nicht weiter als 61 m geworfen. Bei der US-Ausscheidung wurde er nur Zweiter. Eine Nackenverletzung behinderte ihn. Mit einer selbst gebastelten Nackenstütze half er sich, so gut es ging. Im olympischen Dorf von Tokio verrenkte er sich zu allem Überfluss einen Rippenknorpel und hatte stechende Schmerzen. Dennoch warf Oerter die klassische Scheibe im fünften Versuch auf 61,00 m, während seine Konkurrenten nicht ihre Bestleistung erreichen konnten. Der eisenharte Willenmensch Al Oerter wurde zum dritten Male Olympiasieger, ein ungewöhnliche Leistung.
Al Oerter wurde am 19. Mai 1936 in Astoria/New York geboren. Er wog in Tokio nur 100 Kg, war also verhältnismäßig „leicht“. Oerter kurierte seine Verletzung von Tokio aus und startete 1965 nicht. Ein Jahr später war Oerter fast wieder der alte und stand mit 63,22 m an der dritten Stelle der Weltrangliste. 1967 startete er spärlich (62,03 m), und als alles glaubte, nun gehe seine erfolgreiche Karriere zu Ende, da trainierte der inzwischen 32jährige mehr oder weniger heimlich und steuerte auf die vierte Goldmedaille 1968 in Mexiko zu. Er hat es immer verstanden, seine Spannkraft zu erhalten, weil er niemals so brutal hart mit Gewichten trainiert hatte wie seine Gegner.
In der Zwischenzeit hatten seine Gegner den Weltrekord auf weiten an die 70m verbessert und alles lief auf einen Erfolg von Jay Silvester oder Ludwig Danek hinaus. Doch im Olympiastadion von Mexiko City sah alles anders aus. Wieder tauchte hier Al Oerter auf, der in den vorhergehenden Monaten von sieben Duellen sechs gegen Silvester verloren hatte. Oerter war nur Zweiter der Landesmeisterschaften geworden, nur Zweiter der erstmaligen US-Olympiaausscheidung. Er trainierte aber zielstrebig weiter und muss tatsächlich für seine olympischen Konkurrenten eine Art Schlange darstellen, die alle Gegner lähmt. In der Qualifikation warf Silvester noch ruhig und gelassen mit 63,34 m neuen olympischen Rekord. Oerter begnügte sich mit 59,36 m. Kaum hatte der Wettkampf begonnen, lag Silvester nur an vierter Stelle und im dritten Versuch geschah dann das „Wunder“: Al Oerter feuerte das Gerät auf die neue olympische Rekordweite von 64,78 m, ließ noch zwei Würfe von über 64 m folgen und nahm seine vierte Goldmedaille nach New York mit. Oerter wurde in der gesamten Weltpresse gebührend gefeiert. Alfred „Al“ Oerter bleibt einer der besten Leichtathleten der Geschichte.
Seine Leistung konnte bisher nur von Carl Lewis egalisiert werden, welcher in den Jahren 1984, 1988, 1992 und 1996 vier olympische Goldmedaillen im Weitsprung erringen konnte.
(Quelle: W. Wünsche; athleten duelle rekorde; Südwest Verlag München)
 
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