Die Geschichte der Leichtathletik (bis 1971)
Kurzstrecke (100 m, 200 m) Männer (Teil 2)

Das muntere Spiel „Wer ist der Schnellste?“, dieses Spiel pflegten schon die alten Griechen bei ihrem berühmten Stadion lauf (etwa 192 m lang). Die Erfindung der Uhr machte die Rennerei noch interessanter, und die Jagd nach den Sprinterrekorden begann. Sie wurde von dem Amerikaner Seward eröffnet, der 1844 die 100 Yards in 9,25 Sekunden („fliegend“?) durcheilt haben soll. Später einigte man sich unter den lauf begeisterten Angelsachsen: Der Start erfolgt aus dem Stand. Englands Champion J. P. Teenet lief 1868 100 y in 10,0 und hatte dabei einen Schnitt von 32,918 km/h. 1890 kam ein gewisser Owens – nomen est omen! – schon auf 9,8 mit einem Schnitt von 33,488 km/h. Sechs Jahre später erreichte sein Landsmann Wefers 9,6 (34,290), und diesen Schnitt übertrumpfte erst 1910 der Australier Donaldson bei einem Lauf über 130 Yards (118,87 m). Bei seinen 12,0 Sekunden entwickelte er einen Schnitt von 33,661, den erst 25 Jahre später Jesse Owens bei seinem Weltrekord über 220 y überbot. Für seine 20,3 wurde ein Schnitt von 35,675 errechnet. Später erreichten dann nicht die Weltrekordinhaber über 100 y oder 100 m die höchste Geschwindigkeit eines Menschen, sondern die 220-y-Asse. 1948 schaffte Patton bei seinen 20,2 ein Mittel von 35,852, und 1956 wurde dann der Sonnyboy Dave Sime schnellster Mann der Sportgeschichte, als er 220 y in genau 20,0 Sekunden bewältigte und ein Stundenmittel von 36,210 erreichte.1961 machte es ihm Frank Budd nach. Armin Harry lief bei seinem 100-m-Weltrekord von 10,0 nur ein Stundenmittel von etwas über 36km, und Bob Hayes kam bei seinem 100-Yards-Weltrekord (9,1) auf 36,174km/h. Heute ist – seit 1966! – Tommie Smith (USA) (hier: Stand 1971) mit 37,139 km/h für seine 19,5 über 220 Yards auf gerader Piste der Schnellste. Mit Sicherheit werden die Menschen noch höhere Geschwindigkeiten schaffen; denn durch den Start ist die Geschwindigkeit auf den ersten 30 m relativ gering, erreicht dann bei einem 100-m-Lauf zwischen 30 und 70 Metern ihren Höhepunkt und fällt auf den letzten 30 Metern wieder ab. Selbst bei Manfred Germar und auch Carl Lewis, deren Finish ja Weltruhm erlangte. Dieses Finish ist nur relativ gut, denn Germars und Lewis Gegner wurden noch erheblich langsamer auf dem letzten Teilstück der Strecke.

Bereits in den Urzeiten des modernen Sports wurden neben den traditionellen 100 Yards auch die 100 m gelaufen. 1847 erzielte der Amerikaner Seward 11,5 Sekunden, Poter (USA) kam 1884 in Paris auf 11,25 und Baker (USA) zwei Jahre später auf 11,2. als erster Läufer blieb der Amerikaner Gary unter 11 Sekunden. Er lief in Paris 10,75.

Eine Sensation ersten Ranges gab es bei den ersten Olympische Spielen der Moderne 1896 in Athen, als der Amerikaner Thomas Burke im Gegensatz zu seinen Kontrahenten aus dem Tiefstart los schoss. Von da an wurde diese Startmethode allgemein angewandt. Nun ging es schnell voran. Der Schwede Lindberg lief „Weltrekord“ mit 10,6 (1906), der Südafrikaner Reginald Walker war drei Jahre später der erste 10,5-Läufer, doch erst 1912 entschloss sich der Internationale Leichtathletik-Verband zur Einführung von offiziellen Weltrekorden. Als erster ein der Liste steht der Amerikaner Lippicott (10,6 – 1912). Riesige Aufregung verursachte ein Sensationslauf des Deutschen Dr. Emil Ketterer, der 1912 in Prag 100 m in 10,2 (drei Uhren – zwei sogar 10,1) erreichte. Alle Nachprüfungen ergaben die Echtheit dieser Zeit. Man hielt sie einfach für unmöglich. Somit diel dieser Weltrekord unter den Tisch. Fortan setzten die Amerikaner das Maß. Der Sprint war ihr Hobby, der Rausch der Geschwindigkeit hatte sie gepackt, sie feierten olympische Siege und besitzen die meisten Sprintweltrekorde.

 
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